28.01.2019

Stadt St.Gallen

AUF DIE PLÄTZE – FERTIG LOS

Wettbewerb Neugestaltung Marktplatz und Bohl – Wettbewerbsbeitrag der ERR Raumplaner AG

Die Innenstadt von St.Gallen ist das Herz einer ganzen Region und damit Anziehungspunkt bis weit über die Stadtgrenze hinaus. Aufgrund der optimalen Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr, aber auch aufgrund der allseitigen Zugänglichkeit dieses Stadtraumes bilden Marktplatz und Bohl den wohl wichtigsten Ziel- und Ausgangspunkt in der historischen Altstadt.

Geschichtlich begründet, liegt der Stadtraum Marktplatz – Bohl an der Grenze zum ersten Stadtring im Übergang zur nördlichen Altstadt, der Stadterweiterung. Er diente schon immer als eine Art „Vorraum“ zur Altstadt, ähnlich dem Korridor in einem Gebäude. Er war und ist in dieser Funktion Wartebereich, Aufenthaltsbereich und Bewegungsfläche gleichzeitig und diente in der Vergangenheit den Nutzungen, die innerhalb des ersten Altstadtringes keinen geeigneten Platz fanden wie z.B. der Viehmarkt. Mit dem Wegfall des Rathauses im Durchgang zur Marktgasse verlor dieser Raum seine klare Struktur.

Mit der Setzung des Markthauses wird der Bereich Marktplatz – Bohl nun wieder als eigenständiger Stadtraum gestärkt. Zwischen dem „Korridor“ und der Marktgasse entsteht eine klare räumliche Trennung. Der Übergang vom Marktplatz zur Marktgasse kann auf der Fussgängerebene wieder wahrgenommen werden. Das zweigeschossige Markthaus hat im Erdgeschoss Platz vier Marktstände und im Obergeschoss für eine Bar oder einen Veranstaltungsraum. Durch die offene transparente Fassade und dezente Beleuchtung des Obergeschosses setzt sich das Gebäude allseitig als Leuchtturm in Szene. In seiner Architektur, mit dem ausladenden Vordach und der Anordnung der Öffnungen nimmt das Gebäude zudem Bezug zur Rondelle, welche weiterhin zentrales Bauwerk im Stadtraum bleibt.

Der neue Marktplatz erhält seine Unverwechselbarkeit durch den Schmuckplatz mit Brunnen, Holzpodest, Rasenkissen und Schmuckbeet. Angrenzend an die neue Haltestelle mit den filigranen Betondächern lädt er zukünftig neben dem Warten auf den Bus auch zum Ruhen und Verweilen ein. Das grüne Blätterdach aus bestehenden und neu gepflanzten Bäumen und die mit Sitzmauern eingerahmten Rasenflächen bilden eine schattige Oase für kleine und grössere Pausen in nobler Atmosphäre. Weiter östlich bildet ein Baumpaket aus Gleditschien den Übergang vom Marktplatz zum freien, geschäftigeren und grosszügig erlebbaren Bohl.

Im Schutze des Baumhains lädt die Aussenbestuhlung der angrenzenden Cafe- und Restaurantbetriebe zu einem Getränk oder einem kleinen Snack ein. Mit dem bodenebenen Wasserspiel und Sitzbänken lädt auch der Bohl im Alltag zum Verweilen ein. Die freie Fläche ist multifunktional nutzbar und dient sowohl Grossanlässen als auch dem Bauern- bzw. Wochenmarkt, welche sich nun bis in die Räumlichkeiten des Waaghauses erstrecken.

Westlich und östlich werden Marktplatz und Bohl durch zwei wichtige Bauten begrenzt. Im Osten ist es das geschichtsträchtige Waaghaus mit seiner einzigartigen und bekannten Platzfassade. Im Westen wird das Bibliotheksgebäude mit einer neuen Platzfassade zu stehen kommen. Durchgänge seitlich dieser beiden Gebäude belassen eine hohe Durchlässigkeit zum restlichen Stadtkörper. Im Erdgeschoss der Bibliothek ist ein Cafe eingerichtet, welches mit seiner Aussenterrasse einen wunderbaren Abschluss zum Schmuckplatz leistet.

Die Marktnutzungen befindet sich im Bereich um die Rondelle und das neue Markthaus. Zusätzliche Marktstände können bedarfsgerecht im freien Bereich der Neugasse angeordnet werden. Mit der Anordnung in der Neugasse nimmt der Markt Bezug – wenn auch nicht in exakter Lage – auf seine ursprüngliche Lage in der Marktgasse. Die Marktstände im Markthaus verbinden die Marktgasse mit dem Marktplatz. Der Wochen- und Bauernmarkt findet auf dem Bohl statt. Je nach Grösse und Platzbedarf kann dieser bis in das Untergeschoss des Waaghauses reichen.

Der öffentliche Verkehr, der Taxiverkehr und der Fahrradverkehr werden um den Schmuckplatz und über den ÖV-Korridor im nördlichen Teil des Stadtraumes geführt. Die Taxistandplätze sind südlich des Schmuckplatzes angeordnet und damit gut von der Rondelle und von der ÖV-Haltestelle sichtbar. Zusätzliche Veloabstellplätze sind ebenfalls südlich des Schmuckplatzes angeordnet.

 

Gerne nahmen wir uns als Stadt St.Galler Städtebauer und LandschaftsarchitektInnen der Herausforderung der Ausschreibung an, um mit unserem Beitrag einen Teil an die Diskussion um die Gestaltung des Herzens der Stadt St.Gallen zu leisten. (Lichtkonzept: d-lite lichtdesign; Visualisierungen: space communication GmbH)